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Eine Gruppe von Fahrradfahrern fährt im Sonnenschein entlang eines Getreidefeldes.

Biologische Stationen Rheinland

Forum Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland 2017

Foren im Jahr 2017

Hier finden Sie weiterführende Informationen zu den jeweiligen Foren.

Das elfte Forum fand am 18. Oktober 2017 statt.


11. Forum

Am 18. Oktober 2017 fand das elfte Forum Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland statt.

Eine Übersicht der Vorträge

Kulturlandschaft aktiv entwickeln: Wo liegen die aktuellen Herausforderungen?

Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim University und Leiter des Kompetenzzentrums Kulturlandschaft, kurz „KULT“, hat auf dem elften Forum für Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland die aktuellen Herausforderungen bei der aktiven Entwicklung von Kulturlandschaften erörtert. Herr Jedicke versteht unter dem Begriff Kulturlandschaft ein „überwiegend durch anthropogene Ökosysteme gebildete Landschaft mit vorherrschender Nutzfunktion“. Der Mensch gestaltet seit 6000 Jahren v.Chr. mit einer bäuerlichen Lebensweise die Naturlandschaft aktiv. Besonders die Einführung neuer Feldfrüchte, die Verwendung von Dünger und der technische Fortschritt tragen zum Wandel im Landschaftsbild bei und prägen unsere heutige Kulturlandschaft. Durch die intensive Landwirtschaft findet seit 70 Jahren eine massive Überprägung der „alten“ Kulturlandschaft statt, die mit einer drastischen Verarmung in der Artenvielfalt einhergeht. Dynamik sei ein Grundmerkmal der Kulturlandschaftsentwicklung, aber die Geschwindigkeit der Veränderungen nehme rasant zu. Darin sieht Herr Jedicke die primäre aktuelle Herausforderung. Nach einer Studie des BfN (Bund für Naturschutz) und des BBRS (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) 2014 werden bis 2030 zwei Drittel aller Landschaften tiefgreifend verändert worden sein. Als Ursachen werden die Energiewende, der Strukturwandel in der Landwirtschaft, Baumaßnahmen und die Veränderungen von Waldflächen genannt. Um die Landschaftsentwicklung in Zukunft zu steuern, fordert Herr Jedicke keine naturschädigenden Subventionen mehr, eine Stärkung der Landschaftsplanung durch einen Moderator bei der Planung und Umsetzung nachhaltiger Entwicklung, „naturbasierte Lösungen“, um den Schutz und die Nutzung im Gleichgewicht zu halten, die Förderung von hohem gesellschaftlichem Engagement und die Verfolgung von Nachhaltigkeits-Indikatoren in der Politik.

Kulturlandschaft aktiv entwickeln: Wo liegen die aktuellen Herausforderungen? (PDF, 2,5 MB)

Wildbienen und Honigbienen – ein Thema zwischen Artenschutz, Bestäubung und Konkurrenz

Dr. Jan Boomers von der biologischen Station Mittlere Wupper referiert über Wild- und Honigbienen und beleuchtet das Thema im Hinblick auf Artenschutz, Bestäubung und Konkurrenz. Sowohl Wild- als auch Honigbienen leiden unter dem Verlust blütenreicher Wiesen durch Überdüngung, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Anbau von Monokulturen. Wild- und Honigbienen stehen in einer interspezifischen Konkurrenz zueinander. Zum einen zeichnet sich eine Überlappung in der Nutzung von Nahrungsquellen mit einem gleichzeitigen Ausweichen auf andere Nahrungsquellen von Seiten der Wildbienen ab. Denn Untersuchungen ergaben, dass bei Anwesenheit zahlreicher Honigbienenarbeiterinnen das Pollen- und Nektarangebot auf den Blüten so stark reduziert wird, dass die Wildbienen gezwungen werden auf anderen Blütenpflanzen Nahrung zu sammeln (Neumayer 2006). Zum anderen wurde eine Reduktion der Fortpflanzungsleistung bei der Blattschneiderbiene Megachile rotundata festgestellt, wenn Honigbienenflug stattfindet. Um die Wildbienenpopulation langfristig zu erhalten, schlägt Herr Boomers drei Lösungsansätze vor:

1. Eine Erhöhung des Blütenangebots auch außerhalb von Schutzgebieten durch verstärkte Zusammenarbeit von Naturschutz und Imkerkreisen.

2. Das Aufstellen von Honigbienenständen in für Wildbienen besonders wertgebenden Naturschutzgebieten, Naturdenkmälern und § 42-Biotopen sollte allgemein unterlassen werden

3. In ausgeräumten Landschaften mit einem stark reduzierten Blütenangebot sollten Honigbienenstände einen Mindestabstand zu Wildbienen aufweisen.

Genehmigungen und andere Stolpersteine auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung eines Naturschutzprojektes

Stefan Meisberger und Marietta Schmitz von der Biologischen Station im Kreis Euskirchen stellten den Weg zur Realisierung des LIFE+ Projekt „Allianz für Borstgrasrasen“ (LIFE10 NAT/DE/006) von der Projektplanung über die Finanzierung bis hin zur Umsetzung des Borstgrasrasens dar. Ziel dieses Projekts ist die Erhaltung, Regeneration und Wiederentwicklung von Borstgrasrasen in der nordrhein-westfälischen Eifel (Kreis Euskirchen, FFH-Gebiete in den Gemeinden Hellenthal, Kall und Dahlem). Herr Meisberger führt die Herausforderungen bei der Umsetzung eines solchen Projekts auf. Zunächst mussten Flächen durch Rodung und Flächenaufbereitungsmaßnahmen gewonnen werden. Diese Flächen mussten ausgewiesen werden und der Öffentlichkeit erklärt werden, warum Wald gerodet wird um offene Grasflächen zu schaffen. Dabei betonte er die Notwendigkeit der Öffentlichkeitsarbeit bei zahlreichen Projekten der Biologischen Stationen. Weitere Stolpersteine ergaben sich durch die intensiven, zeitaufwändigen Abstimmungen aller Projektteilnehmer und der EU-Kommission. Außerdem mussten das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG), eine Umweltverträglichkeitsstudie, die Genehmigung zur Waldumwandlung und eine forstrechtliche Kompensation beachtet werden, um Borstgrasflächen zu schaffen. Die Stolpersteine zur Umsetzung dieses LIFE+ Projekt können bei anderen Projekten ebenso auftreten. Daher betonte Herr Meisberger, dass eine sorgfältige Antragsvorbereitung wichtig sei, dass Krisen als Chance wahrgenommen werden sollten und nachträgliche Änderungen das Projekt besser machen können, dass ein fachliches Netzwerk unentbehrlich sei und die Transparenz und die Berücksichtigung Dritter gewährleistet sein muss, um langfristig zielorientiert zu arbeiten.

Genehmigungen und andere Stolpersteine auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung eines Naturschutzprojektes (PDF, 4,28 MB)

10. Forum

Am 15. März 2017 fand das zehnte Forum Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland statt.

Eine Übersicht der Vorträge

Biologische Vielfalt durch Landwirtschaft – Chancen, Grenzen und Herausforderungen

Prof. Dr. Volkmar Wolters, Justus-Liebig-Universität Gießen; Stellv. Vorsitzender des Wiss. Beirates für Biodiversität und Genetische Ressourcen beim BMEL hat auf dem 10. Forum für Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland die Chancen, Grenzen und Herausforderungen zur biologischen Vielfalt durch die Landwirtschaft aufgezeigt und diskutiert. Es gilt die biologische Vielfalt, die sich aus der genetischen Vielfalt, der Artenvielfalt und der Vielfalt der Lebensräume zusammensetzt, durch die Erhaltung von Offenland und die Habitatvielfalt zu gewährleisten, denn erst im Zuge der Kulturlandschaft konnte sich eine derartige Vielfalt entwickeln. Das heutige Problem ist die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft. Unter Einsatz von Maschinen und Pestiziden wird die natürliche Dynamik in einer Ackerparzelle gestört. Somit gehen die Artenzahlen von Insekten, Kleinsäugern und Vögeln zurück. Als Lösungsansatz stellte Herr Wolters eine regionale Optimierung statt einer lokalen Maximierung vor, bei der maschinell betriebene Landwirtschaft mit der Förderung von natürlichen Prozessen in Einklang gebracht wird. Dieser Ansatz basiert auf Untersuchungen mit dem Ergebnis, dass sich Produktivität und Artenreichtum nicht zwangsläufig ausschließen. Denn natürlich vorkommende Arten, wie Bienen beispielsweise, erhöhen die Produktivität und Minimieren letztlich die Kosten. Durch die Biologische Vielfalt kann auf natürliche Weise die Bodenregulierung, die Wasserretention, die Bestäubung, die Nährstoffversorgung und die Schädlingskontrolle vollzogen werden. Um die Herausforderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft umzusetzen, bedarf es neuer politischer Steuerungselemente, einen wissenschaftlichen Fortschritt sowie umfassender Informations- und Bildungsarbeit, um die Thematik ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Anbei können Sie sich das Politikpapier "Ein zukunftsfähiger Gesellschaftsvertrag mit der Landwirtschaft: Plädoyer für eine neue Agrarpolitik" als Ergebnis des Forschungs- und Entwicklungs-Verbundvorhabens „ZA-NExUS: Zukunftsfähige Agrarpolitik – Natur erhalten, Umwelt sichern“ herunterladen:

Politikpapier -Ein zukunftsfähiger Gesellschaftsvertrag mit der Landwirtschaft: Plädoyer für eine neue Agrarpolitik (PDF, 257 KB)

In Ausbreitung begriffene und neophytische Farnpflanzen an Rhein und Ruhr

Herr Dr. Peter Keil von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet untersuchte gemeinsam mit dem Netzwerk für urbane Biodiversität im Ruhrgebiet Sonderbiotope wie Mauern, Brunnen, Gullis oder Schächte und deren Bewuchs von Farnpflanzen. Farngewächse bevorzugen diese Lebensräume, da sich dort häufig ein Mikroklima entwickelt, welches insgesamt milderes und feuchteres Klima aufweist. Eine erkenntnisreiche Beobachtung ist, dass sich die Zahl der Standorte seit Beginn der Aufzeichnungen enorm erhöht hat. So wurden 1986 weniger als 10 Nachweise beobachtet, während es im Jahr 2006 bereits 100 Nachweise und 2010 über 250 Nachweise im Ruhrgebiet erfasst wurden. Die Sonderbiotope der Farngewächse sind zu 72 Prozent an Mauern vorzufinden. Die geographische Verbreitung konzentriert sich vermehrt auf den nordwestlichen Teil des Ruhrgebiets. Die beobachteten Farngewächse weisen eine hohe Variabilität auf. So wurde beispielsweise der Kretischer Saumfarn mit der Herkunft aus Ostasien neben dem Frauenhaarfarn aus Mittel- und Südamerika in einem Kellerschacht untersucht.

Weitere Informationen zum Vortrag können Sie der PDF-Datei entnehmen: In Ausbreitung begriffene und neophytische Farnpflanzen an Rhein und Ruhr (PDF, 13,85 MB)

Vorbereitung von Artenschutzmaßnahmen für das Bachneunauge in Niederungsbächen

Frau Stefani Pleines von der Biologischen Station Krickenbecker Seen stellte ein Projekt am Schürkesbach vor. Die Biologische Station hat im Jahr 2016 in dem Gebiet der Heronger Buschberge und Wankumer Heide im nördlichen Bereich der zu betreuenden Naturschutzgebiete ein durch das LVR-Netzwerk Kulturlandschaft gefördertes Projekt zur Renaturierung des Schürkesbachs unter Berücksichtigung der gefährdeten Art des Bachneunauges (Lampetra planeri) durchgeführt. Bereits 2012 wurde mit der Biotopoptimierung des Bachs begonnen, um den natürlichen Überschwemmungsbereich für den Bruchwald zu sichern. Das Projekt ging mit einer gleichzeitigen Untersuchung der Bachneunaugen einher, die als gefährdete FFH- Art eingestuft wird. Diese leben zum großen Teil ihres Lebens als Larven im Sediment eingegraben. Von den sieben untersuchten Arten im Bach, ist das Bachneunauge die am häufigsten vorkommende Art. Daher gilt es bei weiteren Renaturierungsmaßnahmen das Sediment im Schürkesbach zu schonen, da die Sedimentschüttung und die Strömungsverhältnisse für den Erhalt des Lebensraums der Bachneunaugen erhalten bleiben müssen.

Die Präsentation zum Vortrag mit weiteren Informationen können Sie der angefügten PDF- Datei entnehmen: Vorbereitung von Artenschutzmaßnahmen für das Bachneunauge in Niederungsbächen (PDF, 4,34 MB)

Grauammer, Feldhamster und Knoblauchkröte - kooperative Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten in der Kulturlandschaft Börde

Alexandra Schieweling von der Biologischen Station im Kreis Düren stellte in ihrem Vortrag ein derzeit laufendes Projekt der Biologischen Station zur Stabilisierung der Population wertgebender Arten in der Zülpicher Börde vor. Sehr anschaulich wurde die Art der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren in Form der Biologischen Stationen Düren und Bonn/ Rhein-Erft, der Landwirtschaftskammer NRW und den landwirtschaftlichen Betrieben vor Ort dargestellt, um entsprechende Artenschutzmaßnahmen in der Zülpicher Börde umzusetzen. Die Zülpicher Börde umfasst ein Gebiet von circa 36.710 ha vornehmlich landwirtschaftlicher Nutzfläche, das sich über die Kreise Düren und Euskirchen sowie den Rhein-Erft Kreis erstreckt. Zum Schutz der bedrohten Tierarten, wie der Grauammer, dem Feldhamster oder dem Kiebitz, stellt das Projekt die direkte Beteiligung der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort in den Fokus, die durch einen Berater der Landwirtschaftskammer NRW bezüglich angemessener Artenschutzmaßnahmen beraten werden. Somit bietet das Projekt neben der Umsetzung wichtiger Maßnahmen zum Schutz der in der Zülpicher Börde siedelnden Tiere auch die Förderung einer nachhaltigeren Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.

Weitere Informationen zur Umsetzung des Projektes, Details zu spezifischen Schutzmaßnahmen und den Aufgaben der beteiligten Akteure können Sie der Präsentation entnehmen: Grauammer, Feldhamster und Knoblauchkröte - kooperative Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten in der Kulturlandschaft Börde (PDF, 4,31 MB)

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